News

Buchvorstellung im G.U.C.-Magazin

24.12.2010: Roland Ludwig war so freundlich, unser Buch im G.U.C.-Magazin vorzustellen. Seine ausführliche Rezension können Sie hier lesen!

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Buchvorstellung im Newsletter der Nepalhilfe

18.12.2010: Kurz vor Weihnachten wurde unser Buch nun auch im Newsletter der Nepalhilfe vorgestellt. Mehr unter „Was die Presse schreibt”

Tibet-Diavortrag

28.10.2010: Dieter Glogowski kommt mit seiner brandneuen Mulitvisionsshow am 16.11.2010 um 20.00 Uhr in die Aula des Gymnasiums nach Beilngries!

Buchvorstellung in SZ

31.5.2010: Es ist wohl nichts selbstverständliches, wenn ein Buch in der Süddeutschen Zeitung vorgestellt wird....
Mehr unter Was die Presse schreibt!

Buchvorstellung in Alpinwelt

23.05.2010: Unser Buch wurde nun auch in der Alpinwelt, dem Magazin des DAV München-Oberland, vorgestellt. Vielen Dank!
Mehr unter "Was die Presse schreibt".

Michls Achttausender

Michl Dacher stand auf zehn von 14 Achttausendern, neun mal sogar ohne Sauerstoffzusatz. Im folgenden wollen wir einen Übersicht über das Himalaya-Gebirge geben und die einzelnen Achttausender und Michl Dachers Versuche beschreiben.

Das Himalaya-Gebirge

Es ist das größte Gebirge der Welt. Entstanden durch das Aufeinanderstoßen der asiatischen und indischen Kontinentalplatten entstanden hier über die Jahrtausende alle 14 Achttausender und die meisten Siebentausender unserer Erde. Wo der Himalaya genau beginnt und endet, darüber streiten noch immer die Gelehrten. Die meisten betrachten jedoch auch Karakorum und Hindukush als zum Himalaya gehörig. Damit liegt dieses „Riesengebirge” als natürliche Grenze zwischen Pakistan/Indien/Nepal/Bhutan einerseits und China/Tadschikistan/Afghanistan andererseits und trennt damit die Tiefebene des indischen Subkontinents von den nördlich davon gelegenen Hochflächen Tibets und Sinkiangs.

Ursprünglich lag zwischen den beiden Kontinentalplatten ein Meer. Am Südrand der asiatischen Platte lag der nördliche Teil Tibets, damals aber noch deutlich tiefer gelegen als heute. Vor 15 bis 7 Millionen Jahren hatten sich die Platten soweit angenähert, dass größere Teile des Meeresbodens herausgehoben wurden, sich übereinander schoben und in einzelne Schollen zerbrachen. Es bildete sich der Ur-Himalaya.

Erst vor etwa 600 000 Jahren kam die Zeit der größten Hebungen. Das gesamte tibetische Plateau hob sich und auf die Schichten des Ur-Himalayas schoben sich die Schichten der nördlicheren Zonen, die weiter nach Norden wanderten. Die unter die asiatische Platte abtauchende indische Platte hob diese Schichten wiederum nochmals höher und stellte sie weiter auf. So bildeten sich gewaltige Erhebungen von 7000 bis 8000 m und es entstand der heutige Himalaya-Hauptkamm. Allerdings hätten wir heute im Himalaya Berge von 11.000 m Höhe oder mehr, wenn nicht gleichzeitig zur Hebung eine verstärkte Erosion eingesetzt hätte. Was für ein Glück für Messner, Dacher und Co.!

Übersicht Himalaya

Die gefährlichsten Achttausender

Die Frage nach der Gefährlichkeit eines Achttausenders lässt sich bedingt über statistische Auswertungen belegen. Wie gefährlich ein Aufstieg für den einzelnen Bergsteiger tatsächlich ist, hängt allerdings im wesentlichen von folgenden Faktoren ab:

  • gewählte Route und deren objektive Gefährlichkeit
  • persönliche Fähigkeiten
  • Ausrüstung und gewählte Jahreszeit
  • Fähigkeit zur Einschätzung der Gefahren und individuelles Verhalten in den wechselnden Situationen
  • Wetter
  • Zufall (Erkrankung, Steinschlag, Lawinen etc.)

Misst man die Gefährlichkeit der Achttausender rein statistisch, indem man die Zahl der Toten ins Verhältnis zur Zahl der Gipfelbesteigungen setzt, so ergibt sich folgendes Bild (Quelle für Nepal: Elizabeth Hawley. Quelle außerhalb Nepal: Xexplorersweb) auf der Basis der Zahlen bis Ende 2003:

Achttausender Zahl der Toten bis 2003Zahl der Besteigungen bis 2003Todesrate in % der BesteigungenTypisches Gefahrenpotenzial des Berges
Annapurna I5413141,2 %Die sogenannten Normalrouten an der Nordflanke sind extrem lawinengefährdet. Andere Routen sind sehr schwierig (Nordwestflanke und Südwand) oder sehr lang (Ostgrat).
Nanga Parbat6121628,2 %Der Berg ist stark den südlichen Witterungsströmungen ausgesetzt; deshalb gibt es große Schneemengen, viele Lawinen und Höhenstürme. Die heutige Normalroute an der Diamirflanke ist ein steiler Aufstieg. Die frühere Normalroute über die Rakhiotflanke ist sehr lang. Die Rupalflanke bleibt nur wenigen Spitzenbergsteigern vorbehalten.
K25319826,8 %Alle Routen sind schwierig bis sehr schwierig und objektiv gefährlich. Es besteht eine große Gefahr durch Höhenstürme an der ausgesetzten Gipfelpyramide. Hier macht häufig auch Tiefschnee den Aufstieg sehr mühsam und gefährlich. Hohe Todesrate beim Abstieg. Besondere Gefahr durch die große Höhe.
Kanchenjunga4218522,7 %Sehr schwierige Witterungsverhältnisse, Höhenstürme, große Neuschneemengen. Alle Routen sind lawinengefährdet.
Besondere Gefahr durch die große Höhe.
Manaslu5324122,0 %Die Normalroute an der Nordostflanke ist lawinengefährdet; die Orientierung auf dem weiten Plateau ist bei schlechter Sicht sehr schwierig. Andere Routen sind schwierig bis sehr schwierig.
Dhaulagiri I5731518,1 %Der Berg ist extremen Witterungsumschwüngen ausgesetzt. Die Normalroute über den Nordostgrat einschl. Zugang ist lawinengefährdet. Auch am Grat besteht Lawinengefahr. Andere Routen sind sehr schwierig bis schwierig und objektiv sehr gefährlich.
Makalu3020214,9 %Die Normalroute über die Nordwestflanke kann wegen Höhenstürmen und Schneelage sehr anstrengend bis unmöglich begehbar sein. Alle anderen Routen sind technisch schwierig bis sehr schwierig und objektiv gefährlich. Besondere Gefahr durch die große Höhe.
Gasherbrum I2119510,8 %Die Normalroute von Südwesten ist sehr lang und z.Zt. aus militärischen Gründen gesperrt. Die neue Normalroute verläuft über den Gasherbrum-Sattel im NW und durch das sog. Japaner-Couloir. Andere Routen sind technisch sehr schwierig und objektiv gefährlich.
Mount Everest18619159,7 %Auf der Normalroute der Südseite stellen der Khumbu-Eisbruch und der Südostgrat ab 8500 m die größte Gefahr dar. Auf der Normalroute der Nordseite gibt es eine lange und teilweise ausgesetzte Kletterei oberhalb 8300 m. Außerdem ist die Nordflanke den Höhenstürmen besonders stark ausgesetzt. Auf beiden Normalrouten besteht große Gefahr durch zu viele langsame und unerfahrene Bergsteiger. Staus! Andere Routen kommen nur für sehr erfahrene Höhenbergsteiger in Frage. Besondere Gefahr durch die große Höhe.
Sisha Pangma192019,5 %Häufig Tiefschnee auf der Normalroute von Norden, Gefahr durch Lawinen. Grat zum Hauptgipfel häufig gefährlich verwechtet. Routen über die Südwestflanke sind schwierig bis sehr schwierig.
Broad Peak182557,1 %Die Normalroute an der Westflanke ist durch Steinschlag und Lawinen gefährdet und bietet nur wenig Platz für ungefährdete Lager.
Aufstieg vom Sattel zum Vorgipfel nicht einfach.
Lhotse92643,4 %Die Normalroute führt durch den gefährlichen Khumbu-Eisbruch. Steiler Aufstieg im Gipfelcouloir. Andere Routen sind extrem schwierig und gefährlich und bleiben nur wenigen Spitzenbergsteigern vorbehalten. Besondere Gefahr durch die große Höhe.
Gasherbrum II176502,6 %Schwieriger Zugang durch den Gletscherbruch des Gasherbrum-Gletschers. Tiefschnee kann die Normalroute über die Südwestflanke sehr anstrengend bis unmöglich machen.
Cho Oyu3716632,2 %Wird als „leichtester” Achttausender bezeichnet, aber die Normalroute über die Westflanke ist dennoch gefährdet durch Höhenstürme und Lawinen. Andere Routen sind schwierig bis sehr schwierig und teilweise sehr gefährlich.

Was sind schwierige und was „leichtere” Achttausender?

Natürlich kann man bei einem Achttausender nur bedingt von „leicht” sprechen, weil eben kein Achttausender „leicht” zu besteigen wäre. Zunächst ist es immer mit großem Aufwand verbunden, überhaupt an den Fuß eines Achttausenders zu gelangen. Und dann ist die Besteigung selbst auf einer technisch relativ anspruchslosen Route – bedingt durch den Sauerstoffmangel in den großen Höhen – immer ein gewaltiger Kraftakt. Bei diesem Kraftakt stoßen die meisten an die Grenze ihres Leistungsvermögens und laufen sogar Gefahr, diese Grenze zu überschreiten und nicht mehr lebend zurückzukommen. Bei einem Witterungsumschwung in großen Höhen kann jeder in Lebensgefahr geraten – auch auf sogenannten technisch leichten Routen. Welchen Berg, welche Route ein Bergsteiger als schwierig oder leichter einstuft, wird letztlich auch von seinen individuellen Fähigkeiten und von den wetterbedingten Verhältnissen abhängen, welche er bei der Begehung angetroffen hat. Und nicht zuletzt wird ein Aufstieg „leichter”, wenn man sich des künstlichen Sauerstoffs bedient und Lageraufbau und deren Versorgung bezahlten Helfern überlässt (was beispielsweise Bergsteiger, wie Michl Dacher einer war, ablehnen).

Wagt man sich überhaupt an den Vergleich der Schwierigkeit zwischen den Achttausendern heran, kann man von vorn herein nur die sog. Normalrouten in Betracht ziehen, denn an jedem sog. leichten Achttausender gibt es auch schwierige und sehr schwierige Routen. Aber auch bei der Beurteilung der sog. Normalrouten stellt sich sofort die Frage, ob man denn alleine nach den technischen Schwierigkeiten einstufen darf oder ob man nicht gleichzeitig wiederum das Gefahrenpotenzial einbeziehen muss. Man muss! Denn sonst käme man gar zu der Aussage, dass die Annapurna I ein leichter Achttausender wäre, weil ihre „Normalrouten” an der Nordflanke nicht zu den schwierigsten zählen. Was nützt dem Bergsteiger aber diese Art „einfacher” Route, wenn er dort mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Lawine getötet wird oder bei schlechter Sicht den Abstieg nicht mehr findet? Die Annapurna I ist einer der gefährlichsten Achttausender; eine Beurteilung nach „leicht” oder „schwer” würde vollkommen in die Irre führen.

Immerhin gibt es ein Kriterium, nach dem die Achttausender objektiv gesehen in zwei Klassen der Schwierigkeit der Besteigung eingestuft werden können: die Höhe. Das mag auf den ersten Blick nicht besonders plausibel erscheinen, denn warum soll es von wesentlicher Bedeutung sein, ob der Berg 8201 m (Cho Oyu) oder 8485 m (Makalu) hoch ist? Die Höhe ist aber tatsächlich von wesentlicher Bedeutung, wie wir gleich sehen werden. Die Fachwelt spricht aus gutem Grund von den fünf "hohen" Achttausendern. Dies sind: Mount Everest, K2, Kanchenjunga, Lhotse und Makalu. Die Besteigung dieser hohen Achttausender bedingt auf ihren sog. Normalrouten ein letztes höchstes Lager in Höhen zwischen 7800 m und 8200 m, in dem die Nacht vor der Gipfelbesteigung, meist auch die Nacht danach verbracht werden muss. Bei den sogenannten „niedrigen” Achttausendern steht das letzte Lager „nur” bei 7000 bis 7300 m Höhe, am Cho Oyu bei 7500 m Höhe. Das jeweils letzte Lager muss mindestens so hoch angeordnet werden, dass von dort aus der Aufstieg zum Gipfel und der Abstieg zurück zum Lager in maximal 14 bis 16 Stunden (bei schlechten Bedingungen) bewältigt werden können, eine Zeitspanne und Anstrengung, welche Physis und Psyche des Menschen in dieser Höhe an ihre Grenze bringt. Da in dieser Zeitspanne von der Höhe 7000 aus ein größerer Höhenunterschied bewältigt werden kann als von der Höhe 8000 aus, muss bei den hohen Achttausendern das letzte Lager in der Regel näher an die Gipfelhöhe gebracht werden als bei den niedrigen Achttausendern. Der Bergsteiger hält sich also zwangsläufig an den hohen Achttausendern erheblich länger in der sog. Todeszone (ab etwa 7500 m) auf. In dieser Höhe verliert der Körper selbst im Ruhezustand an Substanz. Zwei Übernachtungen in der Todeszone, die nur an den hohen Achttausendern erforderlich sind, verlangen dem Körper und der Psyche so viel mehr ab, dass Everest, K2, Kunchenjunga, Lhotse und Makalu alleine auf Grund ihrer Höhe eine Klasse für sich darstellen und als schwierige Achttausender eingestuft werden müssen.

Nun könnte man aber wegen der hohen Zahl der Besteigungen des Mount Everest vermuten, dass dieser Berg doch ein leichter Achttausender sei. Er ist es ganz eindeutig nicht, denn er weist ja die allergrößte Gefährdung aus der Gipfelhöhe auf. Hier stehen die Lager am höchsten, hier wütet der Höhensturm am stärksten, hier ist der Sauerstoffmangel am bedrohlichsten, hier wirkt sich ein Ausfall der künstlichen Sauerstoffversorgung am dramatischsten aus, hier begehen die Bergsteiger die am meisten ausgesetzten Stellen der Routen im Zustand der größten Erschöpfung, hier wird bei einer Wetterverschlechterung die Zone oberhalb des letzten Lagers und sogar das letzte Lager selbst besonders schnell zu einer tödlichen Falle. Wie kommt es aber dennoch zu der hohen Zahl an Besteigungen? Der Everest steht eben als höchster Berg der Erde auf der Liste der Begehrlichkeiten ganz oben, und dort wird auch der größte Aufwand betrieben, um die Routen mit Lagern und Fixseilen für die weniger guten Bergsteiger vorzubereiten. Als zusätzliche Warnung möge aber gelten, dass viele der wirklichen Könner unter den Bergsteigern der Meinung sind, dass die meisten der „Everest-Bezwinger” der neueren Zeit ihren Gipfelgang nicht überlebt hätten, wenn sie dort von einem Schlechtwettereinbruch überrascht worden wären. Ihre Fähigkeiten hätten gerade ausgereicht, um bei gutem Wetter und mit größter Fremdunterstützung zum Erfolg zu kommen. Die Fähigkeit, sich auch unter schwierigen Bedingungen eigenständig den Weg zurück ins Leben zu erkämpfen, wären bei den wenigsten vorhanden. Aber darauf kommt es ja hauptsächlich an, wenn man einigermaßen sicher sein will, auch wieder lebend vom Gipfel herunter zu kommen.

Einer besonderen Erwähnung bedarf der K2: Er gilt unter den sehr erfolgreichen Bergsteigern allgemein und auch mit seiner Normalroute über den Abruzzensporn (Südostflanke) als der schwierigste Achttausender. Diese sog. Normalroute ist selbst bei der heute üblichen Ausstattung mit Fixseilen bis hinauf auf 8000 m Höhe eine Herausforderung für jeden Bergsteiger. Sie ist in ihrem Zugang und im unteren Teil besonders lawinengefährdet, sie ist steil mit anspruchsvollen Felspassagen, ab 7300 m führt der Zugang zum letzten Lager an der Schulter auf 8000 m Höhe durch steile Schneehänge mit Tiefschnee, der weitere Weg zum Gipfel erfolgt zunächst unmittelbar unterhalb eines stets einsturzgefährdeten riesigen Seracs aus Eis (siehe Tragische Ereignisse 2008), dann folgt meist grundloser Tiefschnee steil hinauf zum Gipfel. Das Einsetzen eines Höhensturms ist dort besonders gefürchtet, weil er im Bereich der Gipfelpyramide die Kraft hat, einen Menschen einfach von den Füßen zu reißen und das Hochlager an der Schulter auf 8000 m Höhe zur tödlichen Falle werden lässt.

Mit aller Vorsicht und dem Hinweis auf die immer bestehenden objektiven und subjektiven Gefahren kann man auf Grund der großen Zahl an Gipfelerfolgen und der niedrigsten Todesrate folgern, dass die Normalroute auf den Cho Oyu den relativ leichtesten Aufstieg unter allen Achttausendern darstellt. So wird auch von den meisten Bergsteigern geurteilt, welche selbst schon mehrere Achttausender bestiegen haben. Eine Klassifizierung der weiteren "niedrigen" 8000er ist dann aber schon bei weitem nicht mehr so leicht. Aus obigen Zahlen sieht man, dass der Gasherbrum II relativ häufig bestiegen wird und ebenfalls eine relativ niedrige Todesrate aufweist. Dieser Berg zählt sicher zu denjenigen Achttausendern, die leichter als die meisten anderen bestiegen werden können. Ähnliches gilt für Broad Peak und Shisha Pangma. Aber wie gesagt: Jede Besteigung an jedem hohen Berg kann im konkreten Fall zu einem Abenteuer auf Leben und Tod werden.

Quelle: Günter Seyfferth, http://www.himalaya-info.org