News

Buchvorstellung im G.U.C.-Magazin

24.12.2010: Roland Ludwig war so freundlich, unser Buch im G.U.C.-Magazin vorzustellen. Seine ausführliche Rezension können Sie hier lesen!

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Buchvorstellung im Newsletter der Nepalhilfe

18.12.2010: Kurz vor Weihnachten wurde unser Buch nun auch im Newsletter der Nepalhilfe vorgestellt. Mehr unter „Was die Presse schreibt”

Tibet-Diavortrag

28.10.2010: Dieter Glogowski kommt mit seiner brandneuen Mulitvisionsshow am 16.11.2010 um 20.00 Uhr in die Aula des Gymnasiums nach Beilngries!

Buchvorstellung in SZ

31.5.2010: Es ist wohl nichts selbstverständliches, wenn ein Buch in der Süddeutschen Zeitung vorgestellt wird....
Mehr unter Was die Presse schreibt!

Buchvorstellung in Alpinwelt

23.05.2010: Unser Buch wurde nun auch in der Alpinwelt, dem Magazin des DAV München-Oberland, vorgestellt. Vielen Dank!
Mehr unter "Was die Presse schreibt".

Buchvorstellung im G.U.C.-Magazin

Norbert und Gregor Herler: Reiß mer'n nieder. Michl Dacher – der erste Deutsche auf dem K2

Es gibt Leute, die sich zum Ziel gesetzt haben, die sogenannten Seven Summits zu besteigen, also den höchsten Berg eines jeden Kontinents. Paradoxerweise ist aber die Aufgabe, die Seven Second Summits zu besteigen, also den zweithöchsten Berg eines jeden Kontinents, viel schwieriger. Ein Beispiel: Der Elbrus als höchster Berg Europas ist ein "Wanderberg" (nur halt ein verdammt hoher mit 5642 m), der viel geringere technische Schwierigkeiten aufweist als der Dykh-Tau als zweithöchster Berg Europas, obwohl der auch noch 400 Meter niedriger ist. Das ist in Asien auch so: Während der Everest trotz seiner gewaltigen Höhe noch als einer der leichteren Achttausender einzustufen ist, gilt der 200 Meter niedrigere K2 als einer der schwersten Berge überhaupt. Mit gerade einmal 198 Besteigungen bis 2003 ist der K2 der viertletzte Achttausender in der Besuchsliste, aber dafür steht er bei der Todesrate auf Platz 3: Jeder vierte Besteigungsanwärter starb am Berg - eine Quote, die nur noch vom Nanga Parbat (28,2%) und der Annapurna (41,2% - das ideale Ziel für jeden Black Metaller mit suizidaler Neigung) übertroffen wird und sich durch die Katastrophe von 2008 mit elf Toten weiter erhöht haben dürfte.
Bis 1978 hatten nur drei Expeditionen den Gipfel erreicht, alle drei mit großem Material- und Personalaufwand. 1979 ging nun eine Kleinexpedition an den Berg, geführt von Reinhold Messner, der den Berg ohne Sauerstofflaschen, ohne einheimische Hochträger und mit leichter, beweglicher Ausrüstung über eine neue Route besteigen wollte. Das war seinerzeit revolutionär - eine Abwandlung des sogenannten Alpinstils, der dann in letzter Konsequenz (ohne Hochlager und Fixseile) erst 1991 von zwei Franzosen am K2 umgesetzt werden konnte. Messner nahm Michl Dacher aus Peiting in die Mannschaft auf, weil dieser 1977 als erster einen Berg über 8500 m Höhe (den Lhotse) ohne zusätzlichen Sauerstoff erstiegen hatte. Die neue Route erwies sich am Berg selbst allerdings als technisch mit den damaligen Mitteln nicht durchführbar, also wichen Messner und seine fünf Gefährten auf die bekannte Route am Abruzzensporn aus, die allerdings auch noch genügend Probleme aufwarf. Am 12. Juli 1979 erreichte die Zweierseilschaft Messner-Dacher mit einer immensen Energieleistung schließlich den Gipfel, womit Dacher der erste Deutsche auf dem K2 war - Messner ist bekanntlich Südtiroler, also Italiener, und eine italienische Mannschaft hatte schon 1954 die Erstbesteigung geschafft. Die anderen vier Teilnehmer gelangten aufgrund einer danach hereinbrechenden Schlechtwetterperiode nicht mehr auf den Gipfel. Messner machte in den Folgejahren mit seinen Besteigungen aller Achttausender weiter von sich reden und ist auch heute noch der weltweit wohl populärste Bergsteiger - den Namen Michl Dacher kennen hingegen nur die Insider. Das liegt mit daran, daß Dacher nie Profibergsteiger war, somit auch nur im geringeren Maße vor dem Zwang stand, sich selbst und seine Leistungen zu vermarkten, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Den verdiente er in seinem Hauptjob als Elektromonteur und Bauaufseher bei den Lech-Elektrizitätswerken, war also strenggenommen "nur" ein Freizeitbergsteiger, was einen den Hut vor seinen Leistungen nur noch tiefer ziehen läßt.
Norbert und Gregor Herler haben das 30jährige Jubiläum des Gipfelerfolges Messners und Dachers zum Anlaß genommen, um ein reich bebildertes Buch über Dacher herauszugeben. Eine klassische Biographie ist es nicht - man erfährt z.B. nicht mal das Geburtsdatum Dachers, und auch eine chronologische Ordnung gibt es nicht. Der Fokus liegt auf der 1979er Expedition, und die nimmt nach einer kurzen Schilderung des Werdegangs Dachers den ersten großen Hauptteil des Buches ein. Der zweite große Hauptteil gehört den weiteren Achttausender-Besteigungen bzw. -Besteigungsversuchen Dachers - er versuchte sich an 13 der 14 Achttausender (die Annapurna ließ er außen vor) und gelangte an 10 auf den Gipfel, womit er der erfolgreichste deutsche Höhenbergsteiger des 20. Jahrhunderts war. Dachers Verantwortungsbewußtsein zeigte sich auch darin, daß er wußte, wann er umzukehren hatte. "Bei Harakiri-Sachen mache ich nicht mit. Lieber verzichte ich auf den Gipfel", soll er 1992 nach seinem letzten gescheiterten Angriff auf den Everest gesagt haben. Der dritte Hauptteil zeichnet eine wesentliche Expedition von 1970 nach, die Dacher praktisch den Weg in die asiatischen Hochgebirge ebnete, indem sie ihn schlagartig bei wichtigen Leuten bekannt machte: Eine kleine Mannschaft von vier Leuten durchquerte das grönländische Inlandeis von Westen nach Osten. Der vierte Hauptteil schließlich gehört der Vorstellung der Michl-Dacher-Schule in Kadambas (Nepal), einem zentral gelegenen Schulneubau für die umliegenden Dörfer, deren Kinder sonst bei jedem Wetter auf wilden Gebirgspfaden vier oder noch mehr Stunden zur nächsten Schule laufen mußten. Diese Schule wurde mit maßgeblicher Unterstützung der Nepalhilfe Beilngries (das liegt im Altmühltal zwischen Nürnberg und Regensburg) erbaut, und Dacher unterstützte das Projekt nach Kräften. Die Einweihung der Schule im April 1995 konnte er allerdings nicht mehr miterleben - er starb plötzlich und unerwartet im Dezember 1994 friedlich im Schlaf.
Die Qualität des Buches kann fast uneingeschränkt überzeugen, auch die Entschuldigung für einige Qualitätsmängel der Bebilderung, die von 30 bis 40 Jahre alten Dias stammt, wäre angesichts des Endresultats eigentlich nicht nötig gewesen. Ganz ohne Fehlerchen kommt allerdings auch dieses Buch nicht aus. Daß im letzten Satz auf S. 92 bei der Höhenangabe des Cho Oyu etwas verkehrt sein muß, bemerkt dabei auch der zahlenkundige Berglaie, während andere Fehler wie die Information auf S. 15, der Baltoro-Gletscher sei der längste Gletscher der Erde außerhalb der Polgebiete (diese Ehre gebührt dem Fedtschenko-Gletscher im Pamir), nur dem Kenner auffallen dürften. Manchem werden übrigens auch etliche Elemente der Beschreibungstexte der 14 Achttausender im zweiten Hauptteil bekannt vorkommen - sie sind partiell aus der Wikipedia übernommen. Im Gegensatz zu manch anderem Autor sind die Herlers allerdings so ehrlich, Wikipedia im Literaturverzeichnis auch anzugeben.
Zusammenfassend ein sehr interessantes Buch, das in leicht verständlicher Sprache auch dem Nicht-Bergexperten die Reize und Gefahren solcher Unternehmungen verdeutlicht, ohne in Sensationsmache zu verfallen - ein würdiger Grabstein zu Dachers 15. Todestag. Mit dem Erwerb tut man außerdem ein gutes Werk, denn die Erlöse kommen der Michl-Dacher-Schule in Kadambas zugute. Zum Rezensionszeitpunkt ist die 1. Auflage bereits vergriffen, eine zweite ist im Druck.

Norbert und Gregor Herler: Reiß mer'n nieder. Michl Dacher - der erste Deutsche auf dem K2. Laibstadt: Eigenverlag Norbert Herler 2009. 168 Seiten. ISBN 978-3-00-027813-6. Zu beziehen für 14,90 Euro plus P/V via www.k2-1979.de